Am 6. März 2010 wurde das Grand Hyatt Hotel in Berlin, Gastgeber der European Poker Tour (EPT), zum Schauplatz eines schockierenden Überfalls. Vier bewaffnete Männer stürmten den Turnierort und stahlen über €242.000 in einem gewagten und chaotischen Raubüberfall, der Wellen durch die Pokerwelt schlug.
Der Überfall
Der Angriff war schnell und aggressiv. Die Räuber trugen Masken und betraten den Veranstaltungsort bewaffnet mit Schusswaffen und Macheten, was eine Massenpanik auslöste. Einige Teilnehmer versuchten zu fliehen, während andere aus Angst zu Boden fielen.
Die Diebe zielten auf die Kassen, bevor sie in einem schwarzen Mercedes flohen.
Anfangs variierten die Berichte über den gestohlenen Betrag. Die Toronto Star schätzte €250.000, während andere Quellen von €800.000 sprachen. Offizielle Berichte bestätigten später die gestohlene Summe mit €242.000
Ermittlungen und Festnahmen
Die deutschen Behörden leiteten sofortige Ermittlungen ein und sammelten alle verfügbaren Sicherheitsaufnahmen und Mobilaufzeichnungen. Zunächst gab es keine starken Hinweise, trotz Expertenmeinungen, dass der Überfall amateurhaft und inspiriert von dem Film Ocean’s Eleven war.
Einige spekulierten, dass die Räuber Hilfe von jemandem im Hyatt Hotel hatten, der den Zeitpunkt des Angriffs koordinierte. Die deutsche Polizei wies jedoch diese Theorie zurück, da alle notwendigen Details – wie Anmeldeschlüsse und Geldlagerung – öffentlich in den offiziellen Broschüren des Turniers verfügbar waren.
Monate nach dem Überfall verhaftete die Polizei sechs Verdächtige:
- Ahmad el-Awayti (20 Jahre alt)
- Vedat S. (21 Jahre alt)
- Jihad Chetwie (19 Jahre alt)
- Mustafa Ucarkus (20 Jahre alt)
- Ibrahim al Moussa (30 Jahre alt)
- Mohammed Abou-C (32 Jahre alt) – ein Turnierspieler, der den Tipp für den Überfall gab.
Die Vernehmungen ergaben, dass das gestohlene Geld im Voraus aufgeteilt werden sollte: Jeder Räuber sollte €45.000 erhalten, während €5.000 dem Informanten, Mohammed Abou-C, zugeteilt wurden.
Ibrahim al Moussa spielte eine Schlüsselrolle bei der Organisation des Fluchtplans. Im August 2010 stand er vor Gericht und erhielt 6 Jahre und 4 Monate Gefängnis wegen bewaffneten Raubs. Sein Anwalt behauptete, dass al Moussa seine Taten zutiefst bereute und €22.000 des gestohlenen Geldes zurückgegeben hatte. Der gesamte Betrag wurde jedoch nie wiedergefunden.
Bis Ende 2011 wurden die Gerichtsverfahren abgeschlossen, und die Täter wurden zu 3 bis 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Schicksal des fehlenden Geldes bleibt bis heute unbekannt.
Sicherheitsversagen und Kritik
Nach dem Überfall kritisierte der deutsche Polizeichef Rainer Wendt die Sicherheitsmaßnahmen der Veranstaltung und stellte fest, dass das Turnier schlecht gesichert war und die Sicherheitskräfte vor Ort unbewaffnet waren.
Ein Sicherheitsbeamter, Roman, der mehrere Taschen mit gestohlenem Geld zurückgewinnen konnte, erinnerte sich an das Chaos:
"Es war erschreckend. Mein Job war es, das Geld zu schützen, und ich dachte, es würde ein ereignisloser Tag werden. Dann hörte ich Schüsse, gefolgt von Schreien, und sah maskierte Männer auf den Registrierungsbereich zurennen. Sie waren brutal, alle bewaffnet… Ich konzentrierte mich auf meine Pflicht, und wir schafften es, etwas Geld zurückzubekommen… In diesem Moment kam mir nie in den Sinn, dass sie mich erschießen könnten – ich wollte sie einfach nur aufhalten… Ich bedaure, dass ich nicht einen von ihnen festhalten konnte; seine Komplizen kamen zurück, und ich konnte nichts tun.”
Reaktionen aus der Pokerwelt
Der Überfall machte Schlagzeilen in der Poker-Community. Kevin “ImaLuckSac” MacPhee, der das Turnier gewann, beschrieb die erschreckende Erfahrung:
"Zuerst wusste ich nicht, was passierte. Ich sah nur Menschen in Panik, die zum Hinterausgang rannten. Mir wurde klar, dass nur eine Waffe so ein Chaos verursachen konnte, also fiel ich instinktiv zu Boden. Die Bewaffneten betraten nie den Spielbereich; sie blieben in der Nähe des Registrierungsdesks… Es war surreal, nach all dem zu den Tischen zurückzukehren und wieder zu spielen."
Pokerlegende Doyle Brunson, der 2023 verstarb, kommentierte ebenfalls den Vorfall:
"Ich habe in meinem Leben fünf bewaffnete Überfälle erlebt, und glaub mir, das macht überhaupt keinen Spaß… Ich wette, dass jeder, der dort war, niemals vergessen wird, wie es sich anfühlte."
15 Jahre später
Heute bleibt der EPT Berlin Überfall eines der berüchtigsten Verbrechen im Poker. Obwohl der finanzielle Verlust im Vergleich zu anderen hochkarätigen Raubüberfällen relativ gering war, hob der Vorfall die Sicherheitsrisiken hervor, die mit großen Live-Poker-Events verbunden sind. Infolgedessen wurden die Sicherheitsprotokolle erheblich verstärkt, was einen ähnlichen Angriff heute viel schwieriger macht.















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